Antwort auf: Umschreibung eines gewaltsamen Todes

By Louise

Startseite Foren KubyStudium Semester 1 Modul 10: Wie lokalisiert man seinen Schmerz Umschreibung eines gewaltsamen Todes Antwort auf: Umschreibung eines gewaltsamen Todes

#2786
LouiseLouise
Teilnehmer

Liebe Ina,

ich wollte Dir in Modul 8 schon antworten, aber wusste nicht, wie ich es ausdrücken sollte. Danke, dass Du dort Dein Schmerzbild aus Deinem letzten Leben und die Umschreibung beschrieben hast. Mich hat Deine Geschichte sehr berührt.

In meinem letzten Leben war ich auf der Seite der Täter. Kein überzeugter Nazi, aber ein Mitläufer. Ohne Mitläufer wäre es anders ausgegangen. Als Mitläufer bin ich mitschuldig. Ich wurde als katholischer Mönch in den Krieg eingezogen und habe an der Front gekämpft. Ob ich von den Verbrechen in den KZs Kenntnis hatte, erinnere ich nicht. Sicher habe ich im Krieg viele Verbrechen miterlebt, und sicher war ich als Täter auch daran beteiligt. Ich starb, als ich desillusioniert desertieren wollte, nachdem mein bester Freund neben mir im Schützengraben gerade gestorben war. Ich habe diesen Tod noch nicht wirklich umgeschrieben, aber ich weiß schon, dass ich mit dem tiefen Wunsch nach Frieden in dieses neue Leben inkarniert bin. Nie wieder Krieg!

Meine Frage bezog sich aber auf einen anderen Tod, den ich gestern erst erinnert und heute umgeschrieben habe. Ich habe beschlossen, die ganze Szene umzuschreiben mit dem Bewusstsein ein paar Jahrtausende später. Ob es wirkt, werde ich ja sehen. Ich stelle die Geschichte hier ein, obwohl sie etwas länger ist.

Schmerzbild:

Warum fühle ich Zahnschmerz?
-> Fischgerippe (inneres Bild, ein Fischgerippe liegt auf Steinen)
Warum sehe ich ein Fischgerippe, was lässt mich das fühlen?
-> Angst, Todesangst
Warum habe ich Todesangst?
-> Flussufer mit Steinen und dem Fischgerippe, Wald entlang des steinigen Ufers
Was passiert hier?
-> Speere, Männer mit Speeren kommen aus dem Wald
Wo bin ich in dieser Szene?
-> am Ufer, auf den Steinen, schaue angsterfüllt zum Wald
-> ich spüre Hass, der mir entgegenschlägt
Was haben die Männer für eine Kleidung?
-> Felle
-> ich habe solche Angst
-> ich bin allein
sie sind zu fünft
ich habe keine Chance (Tränen)
ich schüttele den Kopf
„nein, nein“
und hebe die Hände vor mich, schützend
„nein, bitte tötet mich nicht“
„Ich bin unbeabsichtigt in Eurem Revier“
„bitte lasst mich gehen“ (Tränen)
mein kleines Feuer, auf dem ich den Fisch gebraten habe, hat mich verraten
es war wohl meine Henkersmahlzeit
die Männer umringen mich
ich verstehe ihre Sprache nicht
sie drohen mit den Speeren
ein Speer durchbohrt mein Herz (starkes Weinen / Schluchzen)
ich spüre Verzweiflung
ich falle auf die Steine und verblute da
auf den Steinen, verzweifelt
ein Speer durchbohrt meine Wange und meine Zunge
kann nicht mehr sprechen (Tränen)

Heilbild:

Ich sitze an meinem kleinen Feuer am wunderschönen Flusslauf in den Bergen.
Ich genieße den Fisch, den ich mit bloßen Händen gefangen habe.
Er schmeckt köstlich.
Ich höre das Rauschen des Wassers, doch da ist noch ein anderes Geräusch.
Ich sehe beunruhigt hoch, zum Wald hin, der das steinige Ufer begrenzt.
Es treten Männer aus dem Wald, sie halten ihre Speere hoch.
Ich stehe sofort auf und grüße sie freundlich mit der Hand, die ich hebe.
Die Männer richten ihre Speere auf mich und rufen mir etwas zu.
Ich verstehe sie nicht, sie sprechen eine fremde Sprache.
Sie sehen auch anders aus als ich und trage eine primitivere Fellkleidung als ich.
Offenbar lebten sie schon vor mir hier.
Denn ich bin eigentlich nur auf der Durchreise.
Ich will mich hier garnicht niederlassen.
Sie wirken verärgert, aber auch ängstlich.
Ich bleibe ruhig stehen und halte die Angst aus.
Vorsichtig kommen die Männer näher, umringen mich und richten ihre Speere auf mich.
Das ist nun wirklich bedrohlich, jetzt muss ich ruhig bleiben.
Ich bin bis auf ein Messer unbewaffnet.
Gegen fünf Männer habe ich keine Chance, wenn es hier zu einem Kampf kommt.
Ich hebe beide Hände hoch und sage „Ich komme in friedlicher Absicht“.
Sie pieksen mit den Speeren nach mir und reden unverständlich.
Vorsichtig bewege ich eine Hand zu meinem Hals.
Sie schauen aufmerksam und bedrohen mich weiter.
Ich fasse die Kette aus Muscheln an meinem Hals.
Ich bemerke, dass einer der Männer, offenbar der Anführer, meiner Bewegung genau folgt.
Er wirkt interessiert an dieser Kette.
Ich ziehe die Kette vorsichtig und langsam über meinen Kopf und strecke meine Hand aus.
Ich reiche die Kette dem Anführer.
Er ist immer noch vorsichtig, und er spießt die Kette mit seinem Speer auf und zieht sie zu sich hin.
Ich kann sehen, dass er neugierig ist.
So eine Kette hat er noch nie gesehen.
Seine Männer schauen auch neugierig.
Was passiert jetzt?
Ich nehme die Hand jetzt vorsichtig nach unten und zeige auf meine Fischmahlzeit und mein kleines Feuer.
Leider ist der Fisch schon aufgegessen, das Gerippe liegt da.
Ich mache eine Bewegung mit der Hand, um ihnen zu zeigen, wie ich den Fisch gefangen habe.
Dann führe ich sie zum Mund, um anzudeuten, dass ich den Fisch gegessen habe.
Und ich zeige auf den Fluss und wiederhole die Handbewegung.
Der Anführer schaut auf das Fischgerippe und redet mit seinen Leuten.
Dann macht einer der Männer eine Stoßbewegung mit seinem Speer Richtung Boden und zeigt dabei auf den Fluss.
Aha, sie speeren die Fische, die sie fangen wollen.
Ich habe eine andere Technik, ich kann Fische mit der Hand fangen.
Weiter mit den Händen redend, biete ich ihnen an, für sie Fische mit der Hand zu fangen.
Zögernd geben sie mir den Weg zum Wasser frei.
Ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel und konzentriere mich stark.
Da hier eine sehr gute Stelle ist, sehe ich einen Fisch, der gerade unter einen Stein zur Deckung geschlüpft ist.
Ich schleiche mich an ihn heran und schnappe ihn mit einer schnellen Drehbewegung, werfe ihn dabei an Land.
Ein Raunen geht durch die Luft, die Männer sind offenbar beeindruckt.
Schnell spießt der Anführer den Fisch auf seinem Speer auf.
Dann bedeutet er mir, mehr Fische zu fangen.
Ich fange noch zwei weitere Fische.
Dann ziehe ich mein Messer.
Sofort werden wieder die Speere auf mich gerichtet.
Ich nehme einen Fisch, töte ihn und nehme ihn aus.
Die Speere sinken zu Boden.
Ich spieße ihn auf einen kleinen Stock und bringe ihn an meinem kleinen heruntergebrannten Feuer an.
Nun gehen zwei der Männer schnell etwas Holz sammeln und helfen mir, das Feuer neu zu entzünden.
Während die Fische braten, setze ich mich entspannt hin.
Die Männer setzen sich zu mir.
Als die Fische fertig sind, lasse ich ihnen den Vortritt.
Der Anführer verteilt die Beute.
Und dabei reicht er ein Stück auch mir. (Tränen)
Er gibt mir ein Stück vom Fisch ab, und damit schließt er mit mir Freundschaft.
Wenn Menschen gemeinsam essen, bringen sie sich nicht mehr um. (Tränen)
Nach der Mahlzeit stehe ich auf, grüße freundlich mit der Hand und gehe langsam flußaufwärts.
Die Männer folgen mir mit Blicken, nicht mehr drohend, sondern freundlich.
Danke für diese Begegnung.
Aus Fremden wurden Freunde, zumindest für diese Mahlzeit.
Mir fällt im nachhinein ein Stein vom Herzen.
Ich habe überlebt.
Hurra, ich lebe noch.
Ich habe Frieden geschaffen.